Die Firma Rösler ist ein familiengeführtes Unternehmen mit einer großen Anzahl an Mitarbeitern. Sie ist auf Oberflächenbearbeitung und Schleiftechnik spezialisiert. Der Bau selbst war ein Umbau: Ein ehemaliger Baumarkt in Ottobrunn wurde nahezu vollständig entkernt und neu aufgebaut. Vom Eingangsbereich führt eine Treppe ins erste Obergeschoss, in dem sich die Büroräume befinden. Wenn wir eine Treppe brauchen, die mehr ist als nur ein funktionales Bauteil – also etwas mit Möbelcharakter, Individualität und architektonischem Anspruch – dann wenden wir uns an Spitzbart.
Es geht in diesem Interview um das Bauvorhaben Rösler. Was können Sie uns über den Auftraggeber Rösler GmbH, erzählen?
Die Firma Rösler ist ein familiengeführtes Unternehmen mit einer großen Anzahl an Mitarbeitern. Sie ist auf Oberflächenbearbeitung und Schleiftechnik spezialisiert. Gegründet wurde das Unternehmen vor rund 90 Jahren vom Großvater des heutigen Inhabers Marco Rösler. Der Hauptsitz befindet sich in Franken. Marco Rösler ist ein junger, engagierter Unternehmer, den ich über meinen Sohn kennengelernt habe, die beiden sind gemeinsam zur Schule gegangen. Diese persönliche Verbindung war letztlich auch der Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit.
Welchen Zweck erfüllt das neu erschlossene Gebäude der Firma Rösler hier in München?
Der Standort in München ist organisatorisch weitgehend autark und funktioniert im Grunde wie ein eigenständiges Unternehmen. Hier werden ausschließlich Maschinen der Firma Rösler mit Fokus auf den Großraum München vertrieben, gewartet und instandgesetzt.
Das Gebäude gliedert sich in mehrere Bereiche: eine Werkstatt, ein Technologiezentrum sowie Büro- und Lagerflächen. Im Technologiezentrum werden unterschiedliche Werkstücke getestet, um herauszufinden, mit welchen Schleifmitteln und Bearbeitungsmethoden optimale Ergebnisse erzielt werden können. Die Maschinen werden verkauft oder verleast. Nach Ablauf der Leasingzeit kommen sie zurück, werden überholt und dann erneut in den Umlauf gebracht.
Der Bau selbst war ein Umbau: Ein ehemaliger Baumarkt in Ottobrunn wurde nahezu vollständig entkernt und neu aufgebaut. Vom Eingangsbereich führt eine Treppe ins erste Obergeschoss, in dem sich die Büroräume befinden. Darunter liegt der Lagerbereich. Im vorderen Gebäudeteil ist die Werkstatt angeordnet, dahinter das Technologiezentrum, in dem durch den laufenden Maschinenbetrieb eine hohe Geräuschkulisse herrscht.
Was hat Sie als Planer dazu bewogen, die Firma Spitzbart für die Realisierung Ihres Entwurfs zu beauftragen?
Ich kenne die Firma Spitzbart schon seit über 30 Jahren und arbeite im Grunde meine gesamte berufliche Laufbahn mit ihr zusammen. Bereits sehr früh hatte ich Kontakt mit Klaus Spitzbart, mit dem ich damals schon intensive – und durchaus kontroverse – Auseinandersetzungen über das Thema Treppenbau und Schallentkopplung hatte. Diese Diskussionen waren mir immer sehr sympathisch.
Ich habe selbst ursprünglich eine Ausbildung als Schlosser gemacht, daher schätze ich das handwerkliche und konstruktive Verständnis bei Spitzbart sehr. Wenn wir eine Treppe brauchen, die mehr ist als nur ein funktionales Bauteil – also etwas mit Möbelcharakter, Individualität und architektonischem Anspruch – dann wenden wir uns an Spitzbart. Ich weiß, dass ich dort kein Standardprodukt einkaufe, sondern gemeinsam eine individuelle Lösung entwickelt wird, die exakt auf die jeweilige räumliche Situation zugeschnitten ist.
Es handelt sich um eine zweiläufige Vollstahl-Faltwerktreppe mit Podest. Wie fügt sich die Ästhetik dieser Treppe in das Gesamtkonzept der Innenraumgestaltung ein?
Die Treppe hatte eine besondere Aufgabe: Unter ihr befindet sich eine bestehende Kellertreppe, die gesichert werden musste, während die neue Treppe gleichzeitig repräsentativ nach oben führen und Besucher bewusst ins Obergeschoss ziehen sollte. Im Untergeschoss befindet sich die Tiefgarage – Ziel war es also, Bewegung und Aufmerksamkeit nach oben zu lenken.
Hinzu kam eine sehr spezielle Geometrie der Treppenöffnungen: unten ein kleines, oben ein deutlich größeres Treppenloch. Aus diesen Gegebenheiten heraus entstand die Idee einer dynamischen, nach oben geöffneten Treppe mit einem harfenartigen Geländer, das diese besondere Symmetrie untermalt. Die Treppe reagiert damit direkt auf den Raum und entwickelt eine eigene gestalterische Qualität.
Warum haben Sie sich für ein Treppenmodell aus purem Stahl entschieden und auf andere Materialien wie Holz oder Glas verzichtet?
Ein entscheidender Faktor war die gewünschte Leichtigkeit. Mit Stahl lassen sich sehr schlanke Konstruktionen realisieren – wir sprechen hier von Materialstärken um die zehn Millimeter. Mit Holz oder Beton wären deutlich größere Querschnitte notwendig gewesen, was die Treppe massiver und schwerer gemacht hätte.
Durch den Stahl konnte die Treppe filigran, offen und lichtdurchlässig gestaltet werden, ohne an Stabilität einzubüßen. Gerade in Kombination mit dem Wandabstand entsteht so eine gewisse Schwerelosigkeit, die für das Raumgefühl sehr wichtig ist.
Warum haben Sie sich außerdem dafür entschieden, die Oberfläche unbehandelt zu lassen?
Die unbehandelte Stahloberfläche nimmt Bezug auf die Tätigkeit der Firma Rösler. Es geht um Oberflächenbearbeitung, nicht um Veredelung im Sinne von Beschichten, Verchromen oder Lackieren. Ein Werkstück wird bearbeitet und bleibt anschließend in seiner natürlichen Materialität sichtbar.
Diese Idee wollten wir auch bei der Treppe aufgreifen. Der rohe Stahl passt sehr gut zum industriellen Charakter des Gebäudes und zum Unternehmen selbst. Materialität spielt hier eine zentrale Rolle – die Treppe soll zeigen, was sie ist.
Wie kam es zu dem harfenartigen Stabgeländer, das durch seine Neigung sehr skulptural wirkt?
Die Gestaltung des Geländers ergab sich unmittelbar aus den baulichen Bedingungen. Die unterschiedlichen Treppenöffnungen haben eine konventionelle Lösung praktisch unmöglich gemacht. Anstatt die Gegebenheiten zu kaschieren, haben wir sie bewusst aufgenommen und gestalterisch weiterentwickelt.
Die geneigten, durchlaufenden Stäbe übernehmen mehrere Funktionen zugleich: Sie sichern den Bereich zur darunterliegenden Kellertreppe, leiten den Blick nach oben und erzeugen eine starke räumliche Dynamik. Dass das Geländer dabei leicht schief und abstrakt wirkt, ist ein bewusstes Gestaltungselement.
Faltwerktreppen laufen bei uns unter dem Leitsatz „form follows function“. Inwiefern trifft dieses Motto hier zu?
Das Motto passt perfekt. Ausgangspunkt für die Treppe war die Funktion: eine sichere Verbindung von unten nach oben, möglichst leicht und mit einer klaren Richtungsführung. Aus diesen funktionalen Anforderungen hat sich die Form der Treppe entwickelt.
Auch das Geländer vereint mehrere Funktionen: Absturzsicherung, Handlauf und räumliche Abgrenzung – alles in einem Element vereint. Die Form folgt hier sehr konsequent den Nutzungsbedingungen und den räumlichen Anforderungen.
Welche Rolle spielen Licht- und Schattenverhältnisse in Zusammenhang mit der Treppe?
Licht war ein zentrales Thema. Durch den Abstand der Treppe zur Wand kann Tageslicht hinter ihr hindurchfallen, wodurch der Raum nicht dunkel wirkt, obwohl tatsächlich nur wenig direktes Licht durchkommt. Entscheidend ist die visuelle Offenheit.
Zusätzlich fällt Tageslicht über eine RWA-Anlage mit Milchverglasung von oben in den Raum, sodass tagsüber kaum künstliche Beleuchtung notwendig ist. Abends unterstützt eine punktuelle Akzentbeleuchtung die räumliche Wirkung, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.
Welche Faktoren waren bei der Umsetzung dieser Treppe besonders wichtig? Worauf haben die Bauherren besonderen Wert gelegt?
Den Bauherren war vor allem wichtig, dass das Konzept verstanden und konsequent umgesetzt wird. Sie haben mir als Architekt vertraut und mir die Freiheit gegeben, mit einem Partner zu arbeiten, der diese Ideen mitträgt.
Gerade bei einer nicht-konventionellen Treppe ist es entscheidend, dass alle Beteiligten dieselbe Sprache sprechen. Dieses Verständnis war einer der wichtigsten Faktoren für eine gelungene Umsetzung.
Was waren technische und statische Herausforderungen bei der Umsetzung?
Eine besondere Herausforderung war die Verankerung der Treppe in der bestehenden Ziegelwand sowie die statische Ausarbeitung der schlanken Stahlkonstruktion. Gerade bei filigranen Treppenlösungen bewegen sich Gestaltung und Statik oft an einer sehr feinen Grenze, die präzise geplant und umgesetzt werden muss.
Welchen Anspruch stellen Sie grundsätzlich als Architekt an das Gewerk Treppe?
Die Treppe gehört für mich zu den zentralen Elementen eines Gebäudes – ähnlich wie Fenster oder tragende Strukturen. Sie muss funktional, leicht, filigran und gut proportioniert sein. Gleichzeitig ist sie eines der wenigen Bauteile, das zwischen Architektur und Möbel vermittelt und dadurch gestalterisch „mitspielen“ darf. Während viele Bauteile rein funktional sind, bietet die Treppe die Möglichkeit, Raum, Licht und Bewegung sichtbar zu machen. Diesen Anspruch stelle ich an jede Treppe.
Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit der Firma Spitzbart Treppen?
Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm, professionell und von gegenseitigem Verständnis geprägt. Natürlich gibt es – wie auf jeder Baustelle – terminliche Herausforderungen, aber wenn es darauf ankommt, funktioniert die Umsetzung zuverlässig. Besonders schätze ich den offenen Umgang, die Bereitschaft, ungewöhnliche Ideen mitzutragen, und die handwerkliche Qualität. Insgesamt ist es eine sehr charmante und langjährige Zusammenarbeit, die ich nicht missen möchte.
Ist diese Treppe für Sie eine moderne Treppe? Warum?
„Modern“ ist relativ. Moderne Gestaltungen unterliegen dem Zeitgeist. Es besteht die Gefahr, dass sie schnell „modisch“ werden. Durch die Klarheit der Konstruktion wirkt eine Treppe zeitlos.
Welchen Anspruch stellen Sie als Architekt an eine moderne Treppe?
„Moderne“ Treppen sollen in den konstruktiven Details überzeugen und mit Material sparsam und nachhaltig umgehen. Stahl erfüllt diesen Anspruch.
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